• Herborner Weltladen öffnet seine Pforten

    Mit der Gründung des „Herborner Weltladen e.V.“ am 13. April 2015 ist das Vereinsleben in Herborn noch bunter geworden. Der neue gemeinnützige Verein hat den Zweck in Herborn und Umgebung Maßnahmen zu unterstützen, die der Förderung der globalen sozialen Gerechtigkeit, des Völkerverständigungsgedankens und dem Fairen Handel dienen.

    Der Verein ist aus der „Aktion Dritte Welt“ der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Herborn sowie dem seit den 1980er Jahren bestehenden „Eine-Welt-Laden“ der...


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  •  Re-zertifiziert: Stadt ist für weitere vier Jahre „Fairtrade Town“ - „Stadt des fairen Handels“ sucht Mitstreiter 

     

    Das schwarz-blau-grüne "Fairtrade"-Siegel ist auch in Herborn auf immer mehr Waren zu sehen. Vor zwei Jahren hat unsere Stadt dafür das Zertifikat "Fairtrade Town" erhalten: Die "Faire Stadt Herborn" ist eine von mittlerweile vielen hundert Kommunen, in der immer mehr Menschen Wert legen auf gerechte Arbeitsbedingungen und faire Löhne für die Produzenten vor allem in den ärmeren Ländern der südlichen Hemisphäre.

    Mit der...


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Was ist Fairer Handel oder Fairtrade?


 

Unsere Essgewohnheiten und unser Konsumverhalten sind sehr stark vom Import vielerlei Produkte, aus fremden Ländern geprägt, die in unseren Breiten nicht angebaut werden können. Wollen oder können wir nicht auf Kaffee, Tee oder Schokolade verzichten, ist es doch möglich sich dafür einsetzen, dass die Produzenten dieser Waren einen gerechten und fairen Preis dafür bekommen.

Die Anfänge des Fairen Handels gehen in Deutschland zurück bis in die 1970er Jahre. Damals gerieten die Wirtschaftsbeziehungen zwischen sogenannten Industrieländern und Entwicklungsländer vermehrt in den Blick der Öffentlichkeit. Es ist nicht zuletzt dem Engagement von Studenten und interessierten Mitgliedern von Kirchenorganisationen zu verdanken, dass die Forderung nach gerechteren Handelsbeziehungen Gehör findet.

Wofür stehen fair gehandelte Produkte?   Unter dem Motto  "Handel statt Hilfe" oder "Wandel durch Handel" wurden von Entwicklungsländern, Nicht-Regierungsorganisationen und vielen Ehrenamtlichen neue Impulse gegenüber herkömmlicher Entwicklungshilfe propagiert. Die Idee dahinter ist überaus einfach, gerechter Handel schafft durch langfristige, partnerschaftliche Handelbeziehungen mehr Entwicklungschancen für benachteiligte Länder.

Der Begriff Fairer Handel oder Fairtrade beschreibt demnach eine Handelskooperation zwischen Produzenten in Entwicklungsländern und Konsumenten in Industrieländern. Wesentlich sind dabei Dialog, Transparenz und Respekt zwischen den Handelspartnern und das Bestreben mehr Gerechtigkeit im internationalen Handelssystem zu erreichen. Damit bildet er eine Gegenposition zum konventionellen Warenhandel in der globalisierten Welt.

Welchen Standards unterliegt Fairtrade?   Der Faire Handel oder vielmehr der Verzehr fair gehandelter Produkte unterstützt eine nachhaltige Entwicklung, indem er bessere Handelsbedingungen und die Wahrung sozialer und ökologischer Standards für die Erzeuger in den Entwicklungs- und Schwellenländern anstrebt. Faire Preise decken nicht nur die Produktionskosten sondern ermöglichen den Arbeitern der Genossenschaften und Kleinunternehmen Ihren Lebensunterhalt zu sichern. 

Die Planungssicherheit für die Handelspartner erhöht sich durch das Bestreben langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Dabei sollen die Marktchancen einerseits mittels Produkt- und Qualitätsentwicklungen verbessert werden. Gleichermaßen sind Absprachen über Entwicklungsziele und gemeinsame Projekte wichtig, hierfür sieht der Faire Handel auch die Möglichkeit der Vorfinanzierung und zinsgünstige Kredite für die Produzentenorganisationen von zentraler Bedeutung. 

Bild: D.Göbel 

Die gezielte Kampagnenarbeit verfolgt den Wandel gegenwärtiger Denkweisen und Regeln im  Welthandel. Fairtrade-Organisationen leisten, mithilfe von Verbrauchern, einen aktiven (durch Prämien auch geldwerten) Beitrag zur Unterstützung von Produzenten in Entwicklungsländern.  Die gewährleisteten Mindestpreise und Prämien werden beispielsweise für Informationsarbeit (Bewusstseinsbildung) und Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aufgewendet.                         

In Deutschland gibt es mehrere Importeure von fair gehandelten Produkten. Zu ihnen gehören die GEPA, El-Puente, Dwp-rv und Banafair, wobei die ersten beiden auf europäischer Ebene zu den größten Fair Handelsorganisation gehören. GEPA und El-Puente wurde in den 1970er Jahren, mit dem Ziel der Benachteiligung von Produzenten und Kunsthandwerkern im Welthandel zu bekämpfen, von kirchlichen Entwicklungs- und Jugendorganisationen gegründet. Sie kooperieren heute mit einer großen Zahl an Genossenschaften, und sozial engagierten Betrieben in über 40 Ländern, zumeist in Lateinamerika, Afrika und Asien.

Das Selbstverständnis des Fairen Handels basiert darauf langfristige Handelsbeziehungen zu fairen Bedingungen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Partnern zu etablieren.

 

 Fairtrade Standards 

Die Standards des Fairen Handels berücksichtigen drei Lebensbereiche: Ökologie, Soziales und Ökonomie.

 Ökologie   Soziales   Ökonomie
  • Vorgaben für verbotene Pflanzenschutzmittel 
  • Förderung von Gemeinschaftsprojekten 
  • Beratung und langfristige Handelsbeziehungen
  • Umweltvertäglicher Anbau
  • verbesserte Arbeitsbedingungen
  • Fairtrade-Prämie
  • Förderung des Bio-Anbaus (Zusatzprämie)
  • keine ausbeuterische/illegale Kinderarbeit
  • Stabile Mindestpreise über dem Weltmarktniveau
  • Verbot gentechnisch veränderter Organismen (GVO)
  • Diskriminierungsverbot
  • Vorfinanzierung (in schlechten Erntejahren)
 
  • Versammlungsfreiheit
 

Abbildung verändert nach www.fairtrade-deutschland/ueber-fairtrade/fairtrade-standards/


Zwei Ansätze des Fairen Handels

Es haben sich zwei Ansätze entwickelt den Fairen Handel in die Praxis umzusetzen: Die integrierte Lieferkette und die Produktzertifizierung. Dabei bildet die gemeinsame Grundsatzcharta von 2009 die internationale und inhaltliche Rahmenvereinbarung für den Fairen Handel (eine deutschsprachige Pdf-Version finden Sie hier). Bei beiden Herangehensweisen der Vermarkung fair hergestellter Produkte, stammen die Produkte von Produzenten die den Internationalen Fair-Handels-Grundsätzen verpflichtet sind.

 

 

Die integrierte Lieferkette

Dieser Ansatz wird von Importeuren verfolgt, die  zu 100% Waren aus Fairen Handel von Kleinbauern oder anderen Produzenten-Zusammenschlüssen vertreiben. Die Importeure streben den Import bereits verarbeiteter Produkte  an, damit ein möglichst hoher Anteil der Wertschöpfungskette im Ursprungsland verbleibt.  In Fällen, da keine Verarbeitung,  zB. bei einigen Lebensmitteln, im Produktionsland erfolgen kann, achten die Importeure darauf diese auch im Bestimmungsland unter sozial-ökologischen Kriterien produzieren zu lassen.

Die überwiegende Zahl der Produkte aus einer integrierten Lieferkette wird in Weltläden, Fachgeschäften des Fairen Handels vertrieben. Diese Produkte tragen meist kein einheitliches Zeichen sondern sind am Logo des jeweiligen Lieferanten/Importeurs zu erkennen. Produkte mit Fairtrade-Siegel finden sich hingegen kaum in Weltläden.

Die Produktzertifizierung

Der Import fair hergestellter Waren über Produktzertifizierung ermöglicht es konventionellen Unternehmen, einzelne Produkte nach den Standards einer Siegelorganisation , Z.B. Transfair oder NaturlandFair zu importieren und zu vermarkten. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Firma einen Lizenzvertrag mit der jeweiligen Siegelorganisation eingeht und der Überprüfung der Einhaltung von Fairtrade-Standards zustimmt.

In Deutschland werden die meisten fair gehandelten Waren über den konventionellen Einzelhandel vertrieben, zB. in Supermärkten, Bioläden, Bäckereien. Auch in der Gastronomie finden Fairtrade-Produkte wachsenden Absatz.

 

 

Warum Fairer Handel?

Soziale Entwicklung und Bessere Arbeitsbedingungen

Fairer Handel leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung kleinbäuerlich lebender Familien. Damit Kleinbauern am Fairtrade-System teilhaben können und ihre Produkte am Weltmarkt besser verkaufen zu können, ist ein Zusammenschluss zu Organisationen (z.B. Kooperativen) notwendig. Die Organisationsstrukturen sollen so gestaltet werden, dass allen Mitgliedern eine demokratische, gleichberechtigte und aktive Beteiligung an Entscheidungen der Kooperative (Partizipation) möglich ist.

Zu den wichtigsten sozialen Kriterien im Fairen Handel zählt das Diskriminierungsverbot und das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit. Es soll jedem Menschen unabhängig von Geschlecht, religiöser Anschauung oder anderen persönlichen Eigenschaften freigestellt sein einer Erwerbsarbeit im Fairen Handel nachzugehen. Ebenso ist es in vielen Entwicklungsländern erforderlich, das Jugendliche und auch Kinder bei der Arbeit im familiären Produktionsbetrieb für den Unterhalt der Familie mitarbeiten. In solchen Fällen setzt sich der Faire Handel dafür ein, dass Kinder zuerst der Schulbesuch ermöglicht wird, Sie keine gefährdenden Arbeiten ausgesetzt sind oder   deren Arbeit gerecht entlohnt wird.

Die Arbeitsbedingungen im Fairen Handel orientieren sich an den gesetzlichen Mindestanforderungen, erforderlich sind dabei auch die Verbesserung der Sicherheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen. Wichtige soziale Komponenten sind dabei die Versammlungsfreiheit und die Möglichkeit sich an gewerkschaftlichen Tarifverhandlungen zu beteiligen. Insoweit gilt im Fairen Handel, all dies was für Arbeitsverhältnisse in unseren Ländern selbstverständlich geworden ist, nämlich Gesundheitsvorsorge und Weiterbildungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt wird auch die eigenverantwortliche Verwaltung der Fairtrade-Prämie ermöglicht.


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Ökonomische Entwicklung

 

 

Der Faire Handel schafft für Produzenten aus Entwicklungsländern einen Marktzugang, unterstützt deren Qualifizierung und stärkt durch langfristige Kooperationen die Absatzchancen fair hergestellter Produkte. Für alle fair gehandelten Produkte muss ein Mindestpreis und/oder eine Prämie an die Produzenten ausgezahlt werden. 

 

Die Mindestpreise sollen den Produzenten helfen, die Kosten einer nachhaltigen Produktion zu decken. Zusätzlich können durch die Einnahmen weitere Investitionen in Gesundheit, Bildung, Umwelt und Ökonomie finanziert werden. Die Prämie trägt zu einer verbesserten Lebenssituation der Bauernfamilien und Plantagen-Arbeiter/innen bei.  Auch können Bauern und Beschäftigte  selbst darüber verfügen, wofür die Prämie genau verwendet werden soll. 

Es ist auch möglich eine Vorfinanzierung der Ernte zu verlangen, wenn in besonders schwierigen Jahren (z.B. bei Ernteausfällen, gestiegenen Produktionskosten) ein finanzieller Engpass entsteht. Der Faire Handel will mit seinen Standards soziale Rechte und Arbeitssicherheit der Beschäftigten auf Plantagen oder in Produktionsbetrieben fördern.


 Ökologische Entwicklung

Der Faire Handel legt Umwelt-Standards fest, hiermit soll den Produzenten die Chance einer nachhaltigen und selbstbestimmten Entwicklung geboten werden. Durch die Umstellung z.B. auf biologische Landwirtschaft wird einerseits der Umweltschutz am Produktionsstandort verbessert und andererseits profitieren Produzenten/Arbeiterinnen wie auch Konsumenten von einer hohen Qualität und gesunden, weil nicht chemisch-gespritzten, Produkten.

Von zentraler Bedeutung sind, im Gegensatz zu konventionellen, großindustriellen Anbaumethoden, die Verringerung des Einsatzes von Agrochemikalien (Pestizide/Herbizide) und damit einhergehend die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Die Einführung von Abfallmanagement, der schonende Umgang bzw. Schutz der Wasserressourcen und ein Verbot von gentechnisch veränderten Organismen tragen dazu bei,  dass die Biodiversität der jeweiligen Region langfristig bewahrt wird.

Fairtrade-Produkte müssen gemäß den Standards nicht biologisch angebaut sein. Dennoch wird deren Anbau gefördert – zum Beispiel durch höhere Fairtrade-Mindestpreise für Bio-Produkte.


Fairtrade macht Umsatz

In Deutschland vertreibt und vermarktet TransFair e.V - wie andere nationale Siegelorganisationen –  das Fairtrade-Siegel und leisten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zum Fairen Handel. Heute gibt es 19 Fairtrade-Siegelinitiativen aus 24 Ländern in Europa, Nordamerika, Japan, Australien und Neuseeland. Fairtrade steht weltweit für verschiedene Organisationen: Der Dachverband FLO e. V. (Fairtrade International), setzt sich aus 25 Mitgliedern zusammen. Mitglieder sind 19 Fairtrade-Siegel-Initiativen, drei Produzenten-Netzwerke, zwei Fairtrade Marketing Organisationen (The Czech Fair Trade Association und Europe Korea Foundation) sowie ein assoziiertes Mitglied (Comercio Justo México).

Karte über internationale Siegelinitiativen                                   Der Umsatz von fairgehandelten Produkten steigt kontinuierlich

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Geschätzter Umsatz mit fair gehandelten Produkten in 20 Jahren: 2,1 Milliarden Euro.

Die Vielfalt von Produkten und Herkunftsländern hat sich in der Vergangenheit vergrößert und führt zu einer zunehmenden Beliebtheit fair gehandelter Waren.   

2011 kauften die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von rund 400 Millionen Euro, dies entspricht einer Steigerung um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 20 Jahren wurde ein Umsatz von 2,1 Milliarden Euro mit Fairtrade-Produkten erzielt. Kaffee ist nach wie vor das stärkste Fairtrade-Produkt, gefolgt von Blumen und Bananen.

Alle Bilderrechte soweit nicht anders angegeben: Transfair e.V., www.transfair.org