• Herborner Weltladen öffnet seine Pforten

    Mit der Gründung des „Herborner Weltladen e.V.“ am 13. April 2015 ist das Vereinsleben in Herborn noch bunter geworden. Der neue gemeinnützige Verein hat den Zweck in Herborn und Umgebung Maßnahmen zu unterstützen, die der Förderung der globalen sozialen Gerechtigkeit, des Völkerverständigungsgedankens und dem Fairen Handel dienen.

    Der Verein ist aus der „Aktion Dritte Welt“ der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Herborn sowie dem seit den 1980er Jahren bestehenden „Eine-Welt-Laden“ der...


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  •  Re-zertifiziert: Stadt ist für weitere vier Jahre „Fairtrade Town“ - „Stadt des fairen Handels“ sucht Mitstreiter 

     

    Das schwarz-blau-grüne "Fairtrade"-Siegel ist auch in Herborn auf immer mehr Waren zu sehen. Vor zwei Jahren hat unsere Stadt dafür das Zertifikat "Fairtrade Town" erhalten: Die "Faire Stadt Herborn" ist eine von mittlerweile vielen hundert Kommunen, in der immer mehr Menschen Wert legen auf gerechte Arbeitsbedingungen und faire Löhne für die Produzenten vor allem in den ärmeren Ländern der südlichen Hemisphäre.

    Mit der...


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Fairtrade Mode - woran erkennt man sie?

Kleider machen Leute?!  - Kleider verraten viel über den Träger

Wo aber kommen die Textilien her bzw. wer produziert Sie? Antworten findet man heute in jedem Kleidungsstück, das Etikett in der Jeans oder dem T-Shirt verrät, dass ein Großteil der Kleidung in Ländern wie Bangladesch, Taiwan, Nicaragua und China produziert wird. Jedoch verrät dieses Etikett nicht wo die Bestandteile der Kleidung wie Stoffe, Garne, Knöpfe u.a. hergestellt wurden. Ebenso wenig geben die Etiketten Auskunft unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass etwa 90 Prozent aller Textilien in großen Fabriken unter schlechten Bedingungen und unzureichender Bezahlung von jungen Näherinnen hergestellt werden. Die Frauen und Männer arbeiten etwa 12- 16 Stunden am Tag mit nur kurzen Pausen in schlecht klimatisierten, überfüllten und unsicheren Arbeitsstätten.

Die prekäre Realität der internationalen TExtilindustrie machte in der Berichterstattung über Brändere und andere Betriebsunfälle negative schlagzeilen. Niedrige Löhne unterhalb der Armutsgrenze (z.B. etwa 30 Euro/Monat in Bangladesh) und viele Überstunden gehören in fast allen Produktionsländern zur Tagesordnung des ausbeuterischen Welthandels mit Bekleidung. Dabei ist es unerheblich, welches Etikett eingenäht ist, ob in besonders günstigen Kleidungsstücken von Kik, H&M oder teuren marken wie Adidas oder Designern. Die Löhne der Näher/innen decken in den meisten Fällen nicht die tatsächlichen Lebenshaltungskosten. Die Marktführer der Sport- und Modebranche könnten durch ihre Vergabepraktiken Druck auf die Produktionsländer und die Produktionsbedingungnen ausüben. Jedoch orientieren Sie sich mit Blick auf die eigenen Bilanzen zur Zeit überwiegend an möglichst "günstigen" Arbeitsbedingungen. So dass ein Produkt mit hoher handelsmarge und maximalen Profit für das Unternehmen oder die Marke vermarktet werden kann.

Die hohen Gewinne in der Bekleidungsindustrie werden nur durch die gezielte Ausbeutung und Missachtung der Menschen- und Arbeitsrechte bei der Herstellung von Textilien erreicht. Die Forderung nach Löhnen, die die Grundbedürfnisse decken, kann nur mit Druck von Konsumenten und Initiativen von Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen umgesetzt werden.

Textilien sollen kleidsam sein – Qualität hat ihren Preis und verlangt Transparenz

Moden und Trends kommen und gehen, aber immer mehr Konsumenten legen beim Kauf von Textilien nicht nur Wert auf besonders modische Kleidungsstücke, sondern fordern bewusst Qualität und Nachhaltigkeit im Produktionsprozess. Ökologisch einwandfrei und fair hergestellt soll die Kleidung sein, ohne Einsatz von Pestiziden oder ausbeuterischer Arbeitsbedingungen der NäherInnen. Um diesem Streben nach einem ethischen Konsum  gerecht zu werden, haben sich international unterschiedliche Produktsiegel und Standardinitiativen entwickelt. Wie erkennt man fair gehandelte Textilien? Eine Übersicht über die gängigsten  Siegel und verlässlichen Produktstandards soll verdeutlichen, woran man fair produzierte Kleidung erkennen kann. Ebenfalls werden in der Textilindustrie relevante Kriterien erklärt und kritisch beleuchtet.

Die Transparenz, ergo Nachvollziehbarkeit, unter welchen Bedingungen ein Kleidungsstück produziert wurde ist für den Verbraucher nur schwer zu erreichen. Die gängigsten und in Ihrer Zahl steigenden Produktsiegel oder Textilvereinigungen berücksichtigen häufig sehr unterschiedliche Prozesse in der Herstellung von Textilien und nehmen dabei nicht immer auf den gesamten Produktionsprozess Bezug. Allgemein wird mit Produktsiegeln (engl. Label) einem Produkt ein Mehrwert gegenüber anderen Produkten zugeschrieben, der Verbrauchern als Orientierungshilfe für eine Kaufentscheidung dienen soll.  Gleichfalls nutzen viele Unternehmen die Produktsiegel auch als Marketingmaßnahme. Dies gilt umso mehr, wenn eine Firma beispielsweise nur ein oder wenige Fairtrade-zertifizierte Produkte verkauft, wohingegen der überwiegende Teil der angebotenen Produkte aus konventioneller Herstellung stammt.

Je nach Produktsiegel werden ökologische oder soziale Mindestanforderungen an ein Produkt gestellt, deren Einhaltung und Vergabe dann von staatlichen, wirtschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Institutionen überwacht wird. Im Gegensatz zu den Produktsiegeln hat sich in der Vergangenheit eine Vielzahl von Unternehmen zu Textilvereinigungen zusammengeschlossen, die sich gemeinsamen Verhaltensregeln für die faire oder ökologische Produktion von Textilen unterwerfen. Der Unterschied besteht darin, dass nicht einzelne Produkte „gelabelt" werden, sondern sich das gesamte Unternehmen den Standards verpflichtet ist.

Man kann die Textilvereinigungen grob in Brancheninterne Vereinigungen und Multi-Stakeholder-Initiativen einteilen. Brancheninterne Zusammenschlüsse orientieren sich stark an den Interessen der Unternehmen, sodass sie sich häufig dem Vorwurf des „Greenwashing" (Kritik an der Werbung, die ein Unternehmen besonders umweltbewusst darstellen möchte) ausgesetzt sehen. Multi-Stakeholder-Initiativen sind Vereinigungen unterschiedlicher Interessegruppen (Gewerkschaften, Unternehmen, Zivilgesellschaft), die bereits von Ihrer Struktur auf institutionelles Lernen und Weiterentwicklung der vereinbarten Verhaltensregeln bei der Textilproduktion angelegt sind.

Qualitätskriterien für die Glaubwürdigkeit von Produktsiegel

Es gibt international unterschiedliche Initiativen, die sich für verbesserte Arbeitsbedingung in der Textilbranche einsetzen. Diese sind nicht immer mit Fairem Handel gleichzusetzen, verfolgen in einigen Punkten aber dieselben Ziele. Zu unterscheiden sind Produktsiegel, die ein Endprodukt zertifizieren und Siegel, die den gesamten Bereich der Produktionskette bewachen.

Kriterien für Produktsiegel die Fairtrade Standards entsprechen

  • unabhängige Vergabe und Kontrollen
  • Häufigkeit und Qualität der Kontrolle
  • soziale und ökologische Vergabestandards für das Produktsiegel
  • Transparenz der Siegelstandard gegenüber den Konsumenten

     

Die Clean Cloth Campaign (CCC) oder Kampagne für Saubere Kleidung wurde 1990 ins Leben gerufen, sie ist ein Netzwerk aus etwa 300 Trägerorganisationen. Mitglieder der Kampagne sind in der Regel zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine oder Verbände. Grundlage der Arbeit der Kampagne ist das Bestreben Bekleidungshersteller dazu zu bewegen soziale und ökologische Arbeitsbedingungen und existenzsichernden Löhnen eine größere Bedeutung bei der Vergabe von Aufträgen zur Produktion von Kleidung in sogenannte Billiglohnländern beizumessen. 

 

Fair Wear Foundation LogoEine empfehlenswerte Initiative ist die Fair Wear Foundation sie verfolgt das Ziel gerechtete Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne in den Produktionsländern für Bekleidung durchzusetzen. Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine unabhängige Stiftung, die 1999 als Zusammenschluss von Unternehmen, Handelsverbänden und Nichtregierungsorganisationen gegründet wurde. Die FWF setzt auch bei Subunternehmern und Lieferanten der Mitgliedorganisationen  hohe soziale Standards durch. Es werden existenzsichernde Löhne gezahlt und interne wie externe Monitoringmaßnahmen überwachen regelmäßig die Einhaltung der FWF-Standards.
IVN-Best Logo

Naturtextil - IVN zertifiziert Best ist das Produktsiegel des 1989 gegründeten Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. Die vorgeschriebenen sozialen und ökologischen Standards können als vorbildlich bezeichnet werden. Die zertifizierten Produkte sind zu 100% aus biologischem Anbau, genmanipuliertes Saatgut ist ebenso verboten wie der Einsatz von gesundheitsschädlichen Stoffen bei der Veredelung der Stoffe. Die Einhaltung der Standards wird in jedem Produktionsprozess unabhängig überprüft. Neben der Zahlung von existenzsicherender Löhnen für die Arbeiterinnen ist die hohe Transparenz für die Verbraucher hervorzuheben, Herstellungskriterien und Produktionswege sind öffentlich zugänglich oder können angefragt werden.  

Logo_Global Organic Textile Standard Das Textilsiegel Global Organic Textil Standard (GOTS) wurde von vier Textilverbänden aus Deutschland (IVN-Internationaler Verband für Naturtextilwirtschaft), England (Soil   Association), USA (Organic Trade Association) und Japan (Organic Cotton Association) gegründet. Das GOTS-Produktsiegel ist gekennzeichnet durch sehr hohe ökologische Kriterien, die ressourcenschonende Produktion mit über 70% biologisch angebauten Naturfasern voraussetzt. Genmanipuliertes Saatgut ist untersagt und zur Veredelung der Stoffe sind nur unbedenklich eingestufte Farben zugelassen. Die sozialen Standards beziehen sich auf die ILO-Kernarbeitsnormen, fordern aber keine existenzsichernde Löhne und gelten nur in der Konfektionierung von Textilien und nicht schon bei der Rohstoffproduktion. Die Einhaltung der vereinbarten GOTS-Kriterien wird vor Ort durch unabhängige Zertifizierungsstellen geprüft und die Ergebnisse veröffentlicht.

Das Fairtrade-Siegel für Baumwolle wurde im Jahr 2004 eingeführt und garantiert beim Baumwollanbau faire Arbeitsbedingungen und stabile Preise, zusätzlich wird der  biologische  Anbau der Baumwolle gefördert. Problematisch ist, dass durch das Siegel der Fairtrade-BaumwolleEindruck bei den Konsumenten entsteht der gesamte Produktionsprozess vom Anbau  und der  Verarbeitung der Textilien entspreche fairen Kriterien.  Zwar legt das Fairtrade-Baumwollsiegel wert auf den umweltschonenden Anbau (kein genmanipuliertes Saatgut und  Reduktion der Agrochemikalien), die Audits der Produktionsbetriebe finden intern durch die zertifizierende Organisation Fairtrade International (FLO) statt und berücksichtigen die  Arbeitsbedingungen bei der Verarbeitung der Baumwolle nur unzureichend. 

Leben ohne Armut dank existensichernden Löhnen

Die desolate Situation in der Textilindustrie ist dem gloablen Wettbewerbsdruck und der investitionsfreundlichen Lohnpolitik, die niedrige Löhne zum Standortvorteil werden lassen, geschuldet. Die negativen Folgen niedriger Einkommen sind miserable Wohnbedingungen, Mangelernährung und ungenügende Medizinische Versorgung. Ein würdevolles Leben kann mittels der Zahlung existenzsichernder Löhne erreicht werden. Eine Definition der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) verdeutlich, etsprechend der ILO Kernarbeitsnormen 95, 131 und 135, wann ein Lohn existenzsichernd ist: "das Gehalt mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entspricht, die Standardarbeitswoche maximal 48 Stunden beträgt, die Grundbedüfnisse einer vierköpfigen Familie deckt und mindestens zehn Prozent freiverfügbares Einkommen übrighält."

Weitere Informationen zu diesen Siegeln oder "Grüner Mode" allgemein, finden Sie auf der Seite der Christlichen Initative Romero e.V. oder in der Selbstdarstellung der jeweiligen Siegelorganisation.